Über Requiem

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Abseits unseres Alltags existiert eine gänzlich andere Welt.
In den nächtenen Gassen von Rostock gehen Schemen um, in der Diskothek ist nicht jeder, der uns zuzwinkert, auf der Suche nach einer Romanze, und in den Kellern von verfallenen Hafenhallen kommen des Nachts Wesen zusammen, die sich vor unseren Augen verborgen halten.

Vampire leben – im Spiel „Vampire: Requiem“ – mitten unter uns.

Es gibt niemanden, der sagen könnte, woher die Vampire kommen. Tatsächlich gibt es einige, die glauben, es habe sie schon immer gegeben, solange es Menschen zum Jagen gibt. Und dass sie ihrer Beute folgten, wohin diese auch ging, welche Welt diese auch entdeckten, welche Reiche sie auch schufen.

Die Vampire – die Kinder der Nacht, wie sie sich nennen – sind sich nicht einig darüber, ob Vampirlegenden aus alter Zeit tatsächlich auf Wesen ihrer Art hinweisen oder auf gänzlich andere Schrecken, oder ob diese Mythen nicht doch genau eben das sind: Fiktion.

Die Vampire des Requiem-Spiels sind einsame Wesen, die Antwort suchen auf ihre drängendsten Fragen: Was sind wir? Woher kommen wir? Warum sind wir, was wir sind? Und was bedeutet es, ein Verdammter zu sein?

Die Vampire kennen bei Requiem keine allgemeingültige Antwort. Sie können sich nicht auf einen „Ersten“ ihrer Art berufen. Und sie können auch nicht uralte Vampire fragen, wie es damals, in den „ersten Nächten“, war:

Erstens, weil nur sehr wenige das Leid, die Ödnis, die Hoffnungsleere und den Wandel der Zeit ertragen, die das Leben als Ewiger mit sich bringt. Und darum nur wenige Ahnen existieren.

Zweitens, weil ein Kind der Nacht, je älter es wird, desto schwerer den Lockruf des Schlafes spürt. Es bedarf immer größerer Mühe, sich des Abends aus dem Tod zu erheben, je älter man wird. Darum verschwinden immer wieder Ahnen. Und ihr Wissen mit ihnen.

Drittens, weil im Laufe der Zeit die Erinnerung eines Vampirs trügerisch wird. Vor allem im todesartigen Schlaf der Starre, in dem ein Vampir die Jahrhunderte verschlafen kann, mischen sich Erinnerungen und Fantasien, Träume und Alpträume, Realität und Vorstellung, Wahn und Wahrheit, so dass keine zwei Ahnen von einem alten Ereignis das Gleiche erzählen.

Viertens, weil kein Ahn die Chance ungenutzt verstreichen ließe, über seine Geschichte eine Version zu verbreiten, die ihm und seinem persönlichen Glauben von Nutzen wäre.

Und Fünftens, weil es keine ultimativ „wahren“ Aufzeichnungen gibt. Gewiss gibt es alte Schriften, doch widersprechen sich diese in einem fort, so dass es erneut zu einer Glaubensfrage wird, ob man lieber einer steinernen Tafel des Invictus, einer Bibel der Lancea Sancta, einer Geheimschrift der Ordo Dracul oder einer mündlichen Überlieferung des Zirkels der Mutter glauben möchte.

Vampir zu sein, das bedeutet im Requiem-Spiel immer auch den Versuch, mit sich selbst und dem, was man geworden ist, zurecht zu kommen. Eine Berechtigung für seine Existenz zu finden, mit der man die eigenen Schuldgefühle verarbeiten kann, Nacht um Nacht Menschen wegen ihres Blutes zu jagen.

Entgegen manchem Hollywood-Klischee müssen Vampire bei Requiem dabei ihre Opfer nicht töten, um sich von ihnen nähren zu können. Aber es fällt Vampiren schwer, die Extase des Trinkens freiwillig vorzeitig abzubrechen, was einem „Coitus Interruptus“ durchaus nicht unähnlich ist.

Auch stimmt das Kino-Klischee nicht, dass jeder von einem Vampir Gebissene selbst als Vampir in die Nacht erwacht: Die Erschaffung eines neuen Vampirs ist ein sehr bewusster, wohl durchdachter und in vielen Domänen sogar verbotener Akt, der niemals leichtfertig begangen wird. Jene Vampire, die an Gott glauben, behaupten außerdem, dass ein Vampir auch auf anderem Wege als durch die Erschaffung entstehen kann: So behaupten sowohl die Dunkle Kirche der Lancea Sancta als auch der Bund der Ordo Dracul, dass ihr jeweiliger Begründer nicht durch einen Vampir erschaffen, sondern durch Gott zum Vampirsein verflucht worden sei.

Was die anderen Klischees angeht, so treffen einige zu und andere nicht: Ein Pfahl durch das Herz tötet den Vampir nicht, aber verdammt ihn zur Regungslosigkeit, Sonne und Feuer vernichten Vampire sehr gründlich, aber auch Schusswaffen und andere Arten des Schadens können einen Vampir – wenngleich sehr viel schwieriger als einen Menschen – besiegen (allerdings sterben Vampire hierdurch nicht, sie fallen nur in den Schlaf der Starre).

Ob Kreuze, Knoblauch und andere Mittel der Überlieferung gegen Vampire wirken, ist offen zur Spekulationen: So kann man zwar sagen, dass diese „für gewöhnlich“ keine Wirkung haben, aber zuweilen wirken sie eben doch. Ob dies an der Art des betroffenen Vampirs, Eigenarten seines Blutes, dem Glauben des Menschen oder irgend einer Art der wahren Magie liegt, sei dahingestellt.

Ein großer Reiz bei Requiem ist, dass alles wahr oder alles gelogen sein kann

So kann jeder Spieler im Prinzip mit dem „Wissen“, dass er durch Märchen, Legenden, Bücher oder Filme über Vampire hat, sofort losspielen und seinen Charakter in Abstimmung mit der Orga sehr „frei“ bestimmen.

Das Spiel-System lässt ihm hierzu jede erdenkliche Freiheit.
(Ob die Orga das auch tut, steht auf einem anderen Blatt). *grins*

Das Requiem Spiel

Requiem. So nennen die Kinder der Nacht (die Vampire im Requiem-Spiel) ihre untote Existenz.

Worin aber besteht die Existenz eines Vampirs im Requiem Live-Rollenspiel? Doch wohl kaum darin, Menschen nachzustellen und diese um ihr Blut zu erleichtern?

Die Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten. Am Besten, man orientiert sich ein wenig an den Büchern von Anne Rice oder Filmen/TV-Serien wie „Underworld“, „Twilight“, „Moonlight“ oder „Lost Boys“ – also Materialien, die auf die Beziehungen der Vampire untereinander ausgerichtet sind.

Vampire: Requiem ist ein Interaktions- und Intrigen-basiertes Spiel

Die Gesellschaft der Vampire ist kein freundliches Milieu. Jagdgebiete, Einflussbereiche und sozialer Stand in der Gruppe werden eifersüchtig gehütet und „bis aufs Blut“ verteidigt.

Jedes Nachgeben, jedes Einigen wird als Schwäche ausgelegt werden, und kann schlimmere Verfolgung und Schikane nach sich ziehen.

Es geht um eine Gesellschaft von Raubtieren, die sich durch allerlei Pomp und Titel gegenseitig vorspielt, hoch kultiviert und mit eigener Ethik und Moral ausgestattet zu sein.

Vielleicht hilft der Vergleich zu einem Gefängnis: Jede Domäne ist ein goldener Käfig, dem die Vampire ebenso wenig entrinnen können wie letztlich ihrer Existenz. Was immer sie tun, sie sind dazu verdammt, die nächsten Jahre, vielleicht Jahrhunderte mit den anderen Vampiren dieser Domäne zu verbringen – ganz ähnlich dem Los von zu lebenslanger Haft verdammter Gefängnisinsassen, die hinter Gefängnnismauern ebenso ihre eigene Gesellschaft errichten. In der jedes Zeichen von Schwäche unweigerlich zum Untergang führt.

„Untergang“ bedeutet dabei aber keineswegs, dass man sich immer sofort gegenseitig den Kopf abreißt: Jeder Vampir hat eine theoretisch unbegrenzte Existenz vor sich, und demzufolge hat kaum ein Vampir Lust darauf, ständig im Kriegszustand zu leben. Die Kinder der Nacht sind durchaus kreativ darin, ihre Gesellschaft – die sie den „Danse Macabre“ (Totentanz) nennen – durch Ämter, Traditionen und Rituale so zu ordnen, dass offene Gewalt auf wirkliche Extremsituationen beschränkt wird.

Allwöchentliche Charaktertode kommen also (für gewöhnlich) nicht vor. Allwöchentliche Niedertracht, Verleumdung und kalt kalkulierte politische Intrige schon eher.

Du kannst es bereits erahnen:

Vampire: Requiem ist kein „freundliches“ Spiel.

Weswegen es auch absolut nicht jedem liegt: Das Spiel erfordert nämlich, fies, hinterhältig und gemein zueinander zu sein, ohne dass man sich offplay (außerhalb des Spiels) wirklich ans Leder geht.

Natürlich spielen auch positive Empfindungen wie Freundschaft, Zuneigung und sogar Liebe unter den Charakteren eine Rolle, aber wie immer im Horror- und Vampir-Genre sind dies die kostbaren Ausnahmen in einer ansonsten tragischen, dunklen, schmutzigen und sehr blutigen Existenz.

Requiem versus Maskerade

Wer das Requiem-Vorgängerspiel „Vampire: Die Maskerade“ kennt und sich gezielt für die Spielunterschiede zwischen beiden Systemen interessiert, der findet hier auf der Berliner Requiem-Seite mehr Informationen.


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